![]() |
Die Cigarettenfabrik von Josef Garbáty-Rosenthal in Berlin-Pankow |
![]() |
![]() geb. 27.06. oder 06.02.1851 in Lida (Weißrußland) |
![]() |
![]() gest. 29.06.1939 in Berlin-Pankow |
![]() Fabrikansicht 1916 - Pankow, Berliner Straße |
![]() Fabrikansicht 1916 - Pankow, Hadlichstraße |
Berlin war um 1900 Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie. 1881 gründete Josef Garbáty-Rosenthal, ein Deutscher jüdischen Glaubens, sein Zigarettenunternehmen. 1906 verlegte er seine Firma nach Pankow; hier ließ er verschiedene Fabrikanlagen an der Hadlich- und Berliner Straße bauen. Die Beschäftigten der Firma wurden sehr gut sozial betreut. Es gab u.a. eine Betriebskantine, Pausenräume, Bäder, eine Betriebswäscherei, eine Betriebsbibliothek, eine Betriebszeitung, Arbeitslosenfürsorge, einen Werkchor und einen Betriebssportclub. |
![]() |
Herzogl. Sächs. Hoflieferant + Lieferant der Italienischen Staatsregierung |
In vielen Staaten Europas waren bereits vor dem 1. Weltkrieg Niederlassungen; darüber hinaus gab es Garbáty-Zigaretten auch in den damaligen deutschen Kolonien, in Asien und Amerika. |
Historische Ansichten von Verwaltungs-, Fabrik- u. Lagergebäuden der Firma Garbáty | |
![]() Blick von der Hadlichstraße |
![]() Berliner Straße 123 - 125 |
![]() |
![]() |
![]() Bau des Hamburger Architekten Fritz Höger in der Hadlichstraße |
In der Hadlichstraße entstand 1906 das erste Fabrikgebäude, das zweite Gebäude wurde 1912 in der Berliner Straße errichtet. Nach dem Bau eines dritten Fabrikgebäudes 1931 hatte der Betrieb fast 1600 Beschäftigte. |
![]() Kartonagensaal 1916 |
![]() Banderoliersaal 1916 |
![]() Um 1920 fuhren solche Garbáty-LKW die erfolgreiche Zigarette "Saba" zu den Händlern. |
1929 übernahmen die Söhne Eugen und Moritz Garbáty die Firma; sie wurde zur "Garbáty Cigarettenfabrik GmbH". |
||
![]() ( 1880 - 1970? ) |
![]() Arbeitssaal - 20er Jahre |
![]() ( 1892 - 1965 ) |
In der Tabakindustrie verschärfte sich der Konkurrenzkampf, und es erfolgte die Monopolisierung der Branche. So wurden 50 % der Firma, der Anteil Eugens, vom Reemtsma-Konzern übernommen. Eugen ließ sich seinen Anteil auszahlen und stieg aus der Leitung der Zigarettenfabrik aus. Der neue Chef war jetzt Moritz Garbáty. Er leitete die Fabrik nun allein bis 1938, musste aber monatlich zu den Besprechungen in die Reemtsma-Zentrale nach Hamburg. |
Einige interessante Informationen zum "Reemtsma-Konzern": "Garbáty" war nur eine von vielen Zigarettenfabriken, die ihre Selbständigkeit eingebüßt hatten. Bernhard Reemtsma erwarb zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine erste Zigarettenfabrik, die "Dixi" in Erfurt. Anfang der zwanziger Jahre bauten sich die Reemtsmas auf einem ehemaligen Kasernengelände in Hamburg-Altona-Bahrenfeld eine neue Zigarettenfabrik. |
||
![]() Philipp Fürchtegott Reemtsma |
Der Sohn Philipp Fürchtegott Reemtsma war der Motor des Konzerns.
In wenigen Jahren kaufte er die Zigarettenkonkurrenz fast vollständig auf.
Firmen wie Manoli, Jasmatzi, Yenidze und Bulgaria waren 1928 unter dem Zeichen der Reemtsmas,
dem stilisierten Schiffsschnabel eines Wikingerbootes, vereint. Mittels hoher Millionenbeträge übernahm die Familie dann auch
die Firmen Massary, Garbáty, Batschari und Greiling.
1935 fiel ein weiterer großer Zigarettenhersteller, das Haus Neuerburg, an die zu diesem Zweck gegründete H.F. & Ph.F. Reemtsma GmbH.
Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1938 produzierte die Firma 30 Milliarden Zigaretten, mehr als 70 Prozent der Gesamtproduktion.
Philipp Fürchtegott hatte sein Vermögen verhundertfacht: von 300000 auf 30 Millionen Mark.
Nach dem Krieg wurde sein Vermögen auf 160 Millionen Mark geschätzt. Als sein Sohn Jan Philipp 1980 seine 53% Reemtsma-Anteile an die Tchibo-Brüder verkaufte, bekam er dafür 350 Millionen DM. |
![]() |
![]() Um 1930 fuhren schwere Garbáty-LKW quer durch Deutschland und versorgten fast das gesamte Land mit Zigaretten und Werbematerial der 1928 eingeführten neuen Marke "Kurmark". |
Garbáty´s Erholungssitz in Altdöbern / Lausitz: In Altdöbem gibt es eine größere Schlossanlage. Das Gebäude stammt aus der Zeit um 1750. Carl Heinrich von Heinecken kaufte die Anlage 1748 und ließ sie um- und ausbauen. Einem späteren Besitzer, Graf von Witzleben, ist die neobarocke Fassade des dreiflügeligen Schlosses zu verdanken. Zur vergangenen Jahrhundertwende gehörte diese Anlage Josef Garbáty. Die jüdische Familie mußte 1938/39 Deutschland verlassen, und die Anlage in Altdöbern wurde an eine Adelsfamilie verkauft. Diese wurde nach dem Krieg von den Sowjets enteignet. |
Mit der "Machtergreifung" der Nazis begann eine schwere Zeit für die Familie Garbáty. 1935 wurde die GmbH in eine Kommandit-Gesellschaft umgewandelt, aber noch mit unveränderter Geschäftsführung. Die Fabrik hieß jetzt "Zigarettenfabrik Garbáty K.G.". |
||
![]() Ein Zeitdokument vom November 1938 ( Quelle: Förderverein ehem. Jüdisches Waisenhaus e.V. ) |
||
1938 wurde im Zuge der "Arisierung" , d.h. der "Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben",
der gesamte Garbáty-Besitz an die Jakob Koerfer Gruppe aus Köln zwangsverkauft. 1939 emigrierte die Familie Garbáty nach Amerika. |
||
![]() Garbáty-Villa in der Berliner Straße |
Der Firmengründer Josef Garbáty blieb in Pankow und verstarb 1939 im Alter von 88 Jahren. |
![]() Josef Garbáty 1938 |
Den 2. Weltkrieg hatte die Fabrik relativ unversehrt überstanden; sie wurde aber am 1. Mai 1945 geplündert und brannte aus. |
|
![]() ausgebranntes Hauptgebäude an der Berliner Straße |
Hier eine Beobachtung eines damaligen Anwohners der Berliner Straße: Die Tabakballen verbrannten nicht alle sofort, und viele besserten ihre "Haushaltskasse" auf, indem sie einen Ballen "den Flammen entrissen". |
Auch nach dem Krieg bestand ein großes Bedürfnis zu rauchen;
Zigaretten galten nach dem 2. Weltkrieg zeitweilig sogar als Zahlungsmittel. Deshalb
lag es im Interesse der Besatzungsmächte, die Zigarettenproduktion sehr schnell wieder aufzunehmen;
so auch in den ausgebrannten Fabrikgebäuden von Garbáty in Berlin-Pankow. Zigaretten auf Zuteilung: ![]() ![]() Original-Zuteilungsbelege aus Magdeburg 1945 u. Pankow 1948 |
Eine kleine Episode aus der Nachkriegszeit, die zeigt, was Zigaretten für eine Bedeutung hatten: Der Dichter Johannes R. Becher schrieb am 27. April 1946 einen Bittbrief an den damaligen Pankower Bürgermeister Mätzchen: "Wir haben für die engeren Mitarbeiter des Kulturbundes bisher von der Garbáty-Zigarettenfabrik, Herrn Direktor Limberger, eine kleine Anzahl Zigaretten bekommen, aber wie uns Herr Limberger mitteilen ließ, soll diese Lieferung schon im Mai eingestellt werden. Wir bitten Sie doch sehr, Herr Bürgermeister, Herrn Limberger dahingehend zu beeinflussen, dass er die liebenswürdige Spende fortsetzt." Quelle: "In den Wohnzimmern der Macht" von Hans-Michael Schulze, Berlin Edition 2001, S. 53 |
Nach dem Krieg war die Garbáty-Zigarettenfabrik noch eine Kommanditgesellschaft. Nach Gründung der DDR wurde 1949 die Firma in Volkseigentum überführt und hieß nun "VEB Garbáty". |
|
![]() VEB GARBÁTY CIGARETTENFABRIK Firmenschrift auf dem Gebäude an der Berliner Straße |
In der linken Erdgeschossseite des Hauptgebäudes an der Berliner Straße war ein Kindergarten untergebracht. ![]() Eine Kindergartengruppe auf der Freitreppe im Jahr 1954. |
1960 erfolgte der Zusammenschluss der volkseigenen Betriebe "Garbáty" und "Josetti" zur "Berliner Zigarettenfabrik" (Bezifa). Damit verschwand der Name "Garbáty". |
||
![]() |
![]() |
![]() |
Bis zur "Wende" gab es dann mit knapp 500 Beschäftigten den "VEB Vereinigte Zigarettenfabriken, Werk Berlin". |
Eine kleine Recherche zum Geburtstag von Josef Garbáty |
In eigener Sache: Meine Garbáty-Seiten sind von mir genau recherchiert und in enger Zusammenarbeit mit Thomas Garbáty erstellt. Verschiedenes Bildmaterial wurde von mir mit hohen Kosten erworben. Ich freue mich, wenn viele user sich auf meinen Seiten informieren. Leider muss ich feststellen, dass meine Inhalte und Bilder, die meist von mir individuell bearbeitet sind, bei verschiedenen Seiten illegal benutzt werden. Ich bitte doch um vorherige Kontaktaufnahme sowie einen Quellenverweis auf meine Homepage www.ansichtskarten-pankow.de. Vielen Dank sagt der Verfasser dieser Garbáty-Dokumentation Willy Manns aus Berlin-Pankow. |